Der Löffel in der Spüle. Die Kollegin, die meint: „Nur ganz kurz“. Der langsame Aufzug.
Nichts davon ist ein reales Problem. Das wissen Sie. Und trotzdem.
Sie waren nicht immer so. Etwas hat sich verändert, und es fühlt sich unangenehm nach einer Wesensveränderung an.
Was mir aufgefallen ist: Reizbarkeit ist selten eine Charakterschwäche. Sie ist meist ein Kapazitätsbericht. Ein Nervensystem mit vollem Tank steckt den Löffel in der Spüle weg. Ein erschöpftes hat keine Stoßdämpfer mehr.
Stellen Sie sich Geduld wie die Federung eines Autos vor. Ist sie abgenutzt, fühlt sich jeder Kieselstein an wie ein Schlagloch.
Manchmal fehlt Schlafkontinuität. Manchmal fehlen Monate echter Erholung. Manchmal besetzt ein Gefühl — Trauer, Sorge — leise Ihren gesamten inneren Raum. Das Aufbrausen sieht von außen immer gleich aus.
Was zehrt an Ihrer Geduld, noch bevor der Tag überhaupt anfängt?
Wenn das nächste Mal Reizbarkeit aufsteigt, werten Sie sie nicht. Denken Sie nur: Tank fast leer. Und atmen Sie einmal tief aus, bevor Sie antworten. Sie lösen im Moment nichts — Sie lesen nur die Anzeige ab.
Wenn Reizbarkeit mit anhaltender Niedergeschlagenheit, Schlafstörungen oder Ausweglosigkeit einhergeht, sprechen Sie mit Fachleuten. Manchmal braucht der Tank mehr als nur Ruhe.

