An diesem Tag ist eigentlich nichts passiert. Keine Krise, keine schlechten Nachrichten. Nur ein ganz normaler Dienstag — Meetings, Verkehr, ein lauwarmes Mittagessen.
Warum kommen Sie dann nach Hause und fühlen sich, als hätten Sie mühsam etwas überstanden?
Wir reservieren das Wort Stress gern für die großen Ereignisse. Dem Körper ist dieser Unterschied egal.
Was mir aufgefallen ist: Der Körper führt Buch über die Wiederholung, nicht nur über die Intensität. Hundert ganz gewöhnliche Dienstage mit angehaltenem Atem und heruntergeschlucktem Unmut schreiben sich genauso verlässlich in Muskeln und Schlaf ein wie ein einzelner extrem fester Tag.
Nichts davon war dramatisch. Aber alles hat sich aufsummiert.
Stellen Sie sich eine Wand in einem belebten Flur vor. Niemand hat je dagegen geschlagen. Aber wenn tausende Hände jahrelang daran vorbeistreifen, sieht man es der Farbe irgendwann an.
Manchmal sind es feine Anspannungen — der kurze Blick in den Posteingang, der Tonfall in der Konferenz. Manchmal sind es Stunden in einer höflichen, starren Haltung. Kleine Buchungen. Präzise Buchführung.
Was kostet Sie ein ganz gewöhnlicher Tag tatsächlich?
Wandern Sie vor dem Einschlafen einmal gedanklich von Kopf bis Fuß durch Ihren Körper und lassen Sie genau die Stellen locker, die immer noch arbeiten. Sie schließen damit die Buchhaltung des Tages.
Wenn gewöhnliche Tage Sie regelmäßig ausgelaugt zurücklassen oder der Körper ohne ersichtlichen Anlass in Alarmbereitschaft bleibt, kann eine professionelle Begleitung helfen, das Konto zu ordnen.

